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Die Behandlung von selektivem Mutismus nach dem SYMUT-Konzept

SYMUT steht für „systemische Mutismustherapie“. 

Was können Sie sich darunter vorstellen?

Die Behandlung basiert auf einem systemischen Menschenbild: Wir Menschen leben in einer ständigen Wechselbeziehung mit unserer Umwelt. Aber auch innerhalb jeder Person gibt es diese Wechselbeziehungen. Es gibt demnach keine eindeutigen Ursache-Wirkungszusammenhänge, sondern nur zirkuläre Prozesse.

Auf den Mutismus bezogen sind das u.a. Beziehungs- und Kommunikationssysteme 

  • innerhalb der Familie
  • zwischen dem Schweigenden und seinen selbstgewählten Bezugspersonen
  • zwischendem Schweigenden und den erweiterten sozialen Kontakten

Ebenso, wie Wechselbeziehungen zwischen organischen und psychologischen Merkmalen des Schweigenden selber bzw. zusätzlichen Verhaltensauffälligkeiten.

Was passiert nun genau in der Sprachtherapie?

Ziel der Therapie ist die Auflockerung bzw. Überwindung des Schweigens unter Einbeziehung des familiären und sozialen Umfeldes des Betroffenen. Gemeinsam werden Maßnahmen erarbeitet, damit das angebahnte Sprechen im therapeutischen Setting in den Alltag übertragen wird. Denn: über Erfolg oder Misserfolg einer Therapie entscheidet das Sprechen in der ehemals gefürchteten Alltagssituation!

Die Therapie in 4 Phasen:

 1.     Präverbale Phase: 

Neben dem Aufbau einer therapeutischen Beziehung und der Frage, welche Bedeutung das Sprechen hat, geht es hier v.a. um das Anbahnen erster lautlicher Äußerungen. Begleitet wird diese Phase von intensiver Angehörigenberatung.

2.     Lexikalisch-syntaktische Phase

Das Sprechen wird bis auf Satzebene ausgeweitet. Begrüßung und Verabschiedung werden erarbeitet. Über einen therapeutischen Plan werden klare „Sprechziele“ formuliert und mit einem Wochenplan eingeübt. In dieser Phase finden auch Gespräche mit ErzieherInnen bzw. LehrerInnen statt.

3.     Kommunikativ-sozialinteraktive Phase

Die sprachlichen Aktivitäten werden ausgeweitet. Geschichten werden vorgelesen und nacherzählt und somit das Gespräch geübt. Je nach Alter und Bedarf wird auch das Telefonieren geübt und das Erlernte gemeinsam im Alltag erprobt.

4.     Nachbetreuungsphase

Nach Beendigung der Therapie (die Dauer variiert individuell) erfolgt eine erneute Vorstellung nach 3 und 9 Monaten. Neben einer Nachuntersuchung findet v.a. noch einmal Beratung zu aktuellen Fragestellungen statt.